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OPEC dreht an der Schraube: Trotz steigender Heizölpreise bevorraten?

Grafik zu OPEC-Staaten

Seit Anfang November waren die Ölpreise von einem Rückgang gekennzeichnet. Der Trump-Effekt, Gespräche zwischen Russland und der OPEC und andere Faktoren haben diesen Trend jedoch zunächst beendet. Doch wie geht die Entwicklung weiter? Lohnt sich das Füllen des Heizöltanks immer noch?

Warum steigen die Heizölpreise plötzlich wieder?

Für Verbraucher mag es überraschend kommen, aber für Experten war es abzusehen, dass eine mögliche Einigung der OPEC und Russlands über die Kürzung der Ölproduktion zu einem moderaten Preisanstieg führen würde. Allerdings fiel der Ölpreisanstieg in den letzten Tagen dann doch etwas kräftiger aus, was auf Spekulationseffekte an den Börsen zurückzuführen ist. Eigentlicher Auslöser für die gute Stimmung am Ölmarkt war die Prognose zur Ölpreisentwicklung von Goldman Sachs. Nach der Ankündigung der OPEC, dass eine Einigung auf Maßnahmen zur Produktionskürzung zum 30. November durchaus im Bereich des Möglichen sei, stufte die Investmentbank ihre Prognosen für 2017 nach oben. Allerdings birgt dieses Hochschrauben der Erwartungen der Anleger auch eine gewisse Gefahr. Sollte es nämlich wider Erwarten nicht zu einer Einigung innerhalb der OPEC bzw. mit Russland kommen, würde die anschließende Desillusionierung vermutlich zu einem vergleichsweise starken Einbruch der Ölpreise führen. Für den Moment gehen die Heizölpreise in der Folge jedoch in einem kräftigen Sprung nach oben und notieren mit rund 1,5 Cent pro Liter höher als am Vortag. Das entspricht einer Steigerung von immerhin drei Prozent an nur einem Tag. Das wirkt sich umgekehrt auf die Nachfrage beim Heizöl aus, denn viele Verbraucher wollen jetzt abwarten, ob die Preise nicht wieder in die andere Richtung umschwenken.

Börsendaten vom 22.11.2016

  • Ein Barrel Rohöl (entspricht 159 Liter) der Nordseesorte Brent wird in London mit 49,83 $ notiert. Gasöl liegt bei etwa 454 $ je Tonne.
  • Heizölpreis: Anstieg um ca. 1,50 Euro auf 54,20 Euro pro Hundert Liter
  • Währungen: 1 Euro entspricht 1,063 USD
  • Prognose Rohöl für 2 Wochen: Ölpreise steigen leicht an
  • Prognose Heizöl für 2 Wochen: Heizölpreise steigen leicht an
  • Alle Angaben ohne Gewähr (Prognosen auf Basis aktueller Daten)

Die Währung spielt immer eine Rolle

Auch Wechselkurseinflüsse spielen an den Ölmärkten immer eine Rolle. Selbst wenn sich die Ölpreise an sich kaum bewegen, können Wechselkursverluste in Ländern wie Deutschland und Österreich dennoch zu steigenden Inlandspreisen führen, weil für die Beschaffung an den internationalen Märkten in der Leitwährung US-Dollar mehr aufgewendet werden muss. Derzeit ist der Euro im Vergleich zum US-Dollar insgesamt etwas schwächer als üblich. Hintergründe dafür sind vor allem die Gerüchte über eine Anhebung des Zinsniveaus in den Vereinigten Staaten. Außerdem blieb ein durch den Trump-Sieg erwarteter Brexit-Effekt nach anfänglicher Schockstarre an den Finanzmärkten aus. Vielmehr haben einige große Investmentbanken von der politischen Entwicklung profitiert. Die Hoffnung auf eine Belebung der US-Wirtschaft scheint zumindest in einigen Finanzkreisen hoch zu sein. Jedenfalls wirkt sich ein stärkerer Dollar immer auf die inländischen Ölpreise bei uns aus, weil an den Rohstoffbörsen in Dollar gezahlt wird. Deswegen steht die Schweiz bei den Ölpreisen derzeit etwas besser da. Die allgemeine Überbewertung des Schweizer Franken könnte sich aber auf mittlere Sicht rächen, denn die vom Export abhängige Schweiz kann sich eine starke Währung nur bedingt leisten.

Wie geht es weiter?

Derzeit wartet die Fachwelt gespannt auf den 30. November, denn dann wird sich herausstellen, ob die OPEC tatsächlich eine Kürzung der Produktion vornimmt. Einigt man sich und kann darüber hinaus Russland mit ins Boot holen, könnte der Heizölpreis zumindest stabil bleiben oder weiter ansteigen. Allerdings wird dieser Effekt voraussichtlich nicht lange anhalten, denn andere Faktoren spielen ebenfalls hinein. So sind die Vorräte in den USA mehr als ausreichend, um jede Produktionskürzung der OPEC mittelfristig auszugleichen. Gleichzeitig können sich die OPEC-Staaten das größere Handelsvolumen nicht entgehen lassen und sind auf die Einnahmen dringend angewiesen. Das gilt umso mehr für Russland, das durch die Wirtschaftssanktionen und die enormen Kosten für Militär und aktuelle Einsätze in der Ukraine und Syrien eine Produktionskürzung nicht lange durchhalten wird. Höhere Preise nützen nämlich nichts, wenn im Umkehrschluss der Absatz einbricht. Nicht vergessen sollte man dabei auch den Iran, der nach Aufhebung der Sanktionen nicht an einer Begrenzung der Fördermengen interessiert ist.

Empfehlung für die nächsten Tage

Verglichen mit den Vorjahren ist der Heizölpreis immer noch relativ niedrig. Das gilt selbst im Rahmen der aktuellen Preissteigerung, die nicht einmal in die Nähe der Rekordwerte der letzten Jahre heranreicht. Auch durch eine Begrenzung der OPEC-Produktion wird sich dies kurzfristig nicht wesentlich ändern. Insofern kann man im Moment beruhigt die Bevorratung vornehmen und Heizöl einkaufen. Es schadet jedoch nie, sich über die aktuelle Preisentwicklung zu informieren. Außerdem könnte ein plötzlicher Kälteeinbruch die Nachfrage im Inland (und somit die Preise) ankurbeln. Daher sollte man als Verbraucher neben dem Ölpreis und dem Dollarkurs auch den Wetterbericht im Auge behalten.

Kein Grund zur Panik

Im Vergleich zu den Heizölpreisen der vergangenen fünf Jahre können Verbraucher deutlich entspannter an die Bevorratung für den Winter gehen. Die früher gültigen, einfachen Regeln zum Heizölkauf im Sommer sind angesichts der stark schwankenden Heizölpreise in einer globalisierten Welt nicht mehr der Maßstab. Vielmehr muss der Kunde den Markt genau beobachten und dann zuschlagen, wenn die Preise am günstigsten sind. Die wichtigsten Börsendaten für diese Beurteilung sind schnell identifiziert. Die Prognose über die künftige Entwicklung ist jedoch nicht immer so einfach. In den ersten beiden Novemberwochen sah es noch nach einer echten Tiefpreisphase aus, doch in den letzten Tagen hat sich das geändert. Die Heizölpreise richten sich natürlich nach Angebot und Nachfrage. Doch während die OPEC beispielsweise die Förderquoten verringern möchte, um den Preis steigen zu lassen, stehen dem gegenüber gewaltige Lagerbestände in den USA, die einen Preisanstieg nicht mehr so einfach zulassen wie noch vor 20 Jahren.

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